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Lovecraft, H. P. und Greene, Sonia: European Glimpses. Necronomicon Press. West Warwick 1988. Titelillustration von Jason Eckhardt

Davis, Sonia Haft Greene Lovecraft (1883 – 1972). Amateurschriftstellerin, Hutmacherin, Unternehmerin. Verheiratet mit H. P. Lovecraft von 1924 bis 1929.

Kindheit und Jugend

Sonia H. Davis wurde als Sonia Haft Shafirkin am 16. März 1883 im ukrainischen Itschnja, in der Nähe von Kiew, geboren. Ihre Eltern waren Simyon Shafirkin und Racille Haft Shafirkin. Ihr Vater starb, als sie ein Kind war. Zu Beginn der 1890er Jahre verließ Racille zusammen mit ihren Kindern die Ukraine. Sonia und ihr Bruder kamen nach Liverpool, wo sie die Baron Maurice de Hirsch-Schule besuchten. Die Mutter reiste in die USA, 1892 folgte Sonia ihr nach. 1899 heiratete sie Samuel Greene (eigentlich Seckendorff). Ein 1900 geborener Sohn verstarb nach 3 Monaten. Am 19. März 1903 wurde Tochter Florence Carol geboren, die später unter den Namen Carol Weld als Journalistin Karriere machte. Samuel Greene starb 1916 durch Selbstmord.

Ehe mit H. P. Lovecraft

Durch James F. Morton war Sonia 1917 mit dem Amateurjournalismus bekannt geworden. Zu der Zeit hatte sie eine gut dotierte, leitende Stellung bei Ferle Heller, einem Damenmodengeschäft in Manhattan. Auf einer Versammlung der NAPA in Boston im Juli 1921 lernte sie H. P. Lovecraft kennen. Zwischen beiden entwickelte sich eine Freundschaft, mehrere Besuche Sonias in Providence waren die Folge. Im Frühjahr 1922 bewegte sie ihn, sie in New York zu besuchen. Im Juli und Oktober desselben Jahres folgten weitere Trips Lovecrafts nach New York.

Im Frühjahr 1924 wurde die Liebesbeziehung zwischen ihm und Sonia öffentlich. Allerdings erst nach ihrer Hochzeit am 3. März 1924 in der St. Pauls Cathedral in Manhattan. Anschließend zog das Paar in Sonias Appartement in Brooklyn. Kurz darauf verlor Sonia ihren Job, ein eigenes Hut-Geschäft blieb erfolglos. Lovecraft bemühte sich vergeblich um eine Arbeit und wurde zunehmend unzufriedener mit der Situation in New York. Schließlich fand Sonia eine Anstellung in Cleveland, so dass sich beide zwischen 1925 und 1926 nur selten sahen. Im Frühjahr 1926 zog Lovecraft zurück nach Providence. Sonias Vorhaben, in Providence einen Hutladen zu eröffnen, wurde von Howards Tanten als nicht standesgemäß für die Familie abgelehnt.

Trennung

Gegen Ende 1928 drängte Sonia Lovecraft zur Scheidung, welche im Frühjahr 1929 vollzogen wurde, – allerdings ohne, dass Lovecraft den Gerichtsentscheid unterschrieb, so dass die Scheidung offiziell nicht rechtskräftig wurde. Nach der Trennung brach der Kontakt zwischen Howard und Sonia zwar nicht ab, verringerte sich jedoch zusehends. 1933 zog sie nach Kalifornien, vernichtete allerdings vorher noch seine sämtlichen Briefe an sie. 1936 heiratet sie Dr. Nathaniel A. Davis (1866 – 1945). Erst 1945 erfuhr Sonia von Lovecrafts Tod im Jahr 1937. Sie selbst starb am 26. Dezember 1972 im kalifornischen Sunnyvale.

Schriftstellerin

Als Herausgeberin trat Sonia mit zwei Ausgaben ihrer Publikation The Rainbow in Erscheinung (erschienen Oktober 1921 und Mai 1922), Lovecraft war jeweils mit Beiträgen beteiligt. Als Schriftstellerin hat sie nur ein schmales Werk hinterlassen. Gemeinsam mit Lovecraft verfasste sie die Story The Horror at Martin’s Beach, die 1923 unter dem Titel The Invisible Monster in der November-Ausgabe von Weird Tales erschien. Für die Lovecraft-Forschung von Interesse ist ihr Aufsatz The Private Life of H. P. Lovecraft, erstmals 1948 unter dem Titel Howard Phillips Lovecraft as His Wife Remembers Him im Providence Sunday Journal veröffentlicht. Eindrücke einer Europa-Reise, die Sonia 1932 unternahm, wurden von H. P. Lovecraft unter dem Namen European Glimpses überarbeitet bzw. neugeschrieben. Unter Sonias sonstigen Arbeiten finden sich noch Gedichte sowie ein Theaterstück.

Sammlung John Hay Library

Das Archiv der John Hay Library der Brown University in Providence verwaltet eine Sammlung gemeinsamer Briefe, Manuskripte und weiterer Dokumente von Sonia und ihrem Ehemann Nathaniel A. Davis (Sonia H. and Nathaniel A. Davis papers). Ebenfalls Teil der Sammlung ist Sonias Erinnerung an H. P. Lovecraft (Howard Phillips Lovecraft as His Wife Remembers Him, erschienen in: Books at Brown vol. XI, nos. 1-2. Februar 1949).

Podcast: Arkham Insiders Folge 40 – Sonia Haft Greene Lovecraft Davis

Literatur:

  • Davis, Sonia H.: Das Privatleben H. P. Lovecrafts (The Private Life of H. P. Lovecraft). In: Rottensteiner, Franz (Hrsg.): Der Einsiedler von Providence. Lovecrafts ungewöhnliches Leben. Suhrkamp Verlag. Frankfurt, 1992
  • Joshi, S. T. u. Schultz, David. E.: An H. P. Lovecraft Encyclopedia. Hippocampus Press. New York, 2001